Vorgeschichte
Viele, die mich, Alwin, noch von dem Katamaran VAITEA kennen, fragen sich vielleicht, was aus mir geworden ist. Nun, mir geht es inzwischen wieder gut. Hurrikan, Trennung von VAITEA und von Finja, Scheidung und privater Tiefpunkt sind überwunden. Über ein Jahr Leben in Deutschland liegen schon lange hinter mir. Bei allen, die mir damals mit Rat und Hilfe zur Seite standen, möchte ich mich an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken. VAITEA schippert mit seinem neuen Eigner Ralf immer noch in der Karibik und Finja hat auf der ATLANTIS bei Anne und Johannes ein neues, schönes Zuhause gefunden und segelt ebenfalls weiterhin in der Karibik. Ich habe in der vergangenen Zeit nach meinem Deutschlandaufenthalt als Berufskipper und Kapitän auf dem größten, in Deutschland zugelassenen Segelkatamaran (20m lang und 10m breit), der NEVERLAND, mit dem Eigner und Gästen den westlichen Südpazifik durchkreuzt, bin von Samoa über Tonga nach Neuseeland gesegelt und habe dort während der Zyklonsaison das Schiff auf die nächste Segelsaison vorbereitet. Im vorigen Jahr segelten wir dann über das Minerva-Riff nach Fiji. Dort verbrachte ich 7 Monate mit dem Schiff. Danach ging es über Vanuatu und Neu-Kaledonien wieder zurück nach Neuseeland. Hier endete Ende November vorigen Jahres meine feste Anstellung als Kapitän auf der NEVERLAND und ein neuer Lebensabschnitt begann. Kurz vor meiner damaligen Abreise aus Deutschland an das andere Ende der Welt lernte ich Doris kennen. Sie besuchte mich dann später für 4 Wochen in Neuseeland und weitere 3 Monate lebten wir in Fiji zusammen auf der NEVERLAND mit Einverständnis des Eigners Ferdinand. Wir fanden zueinander und uns gefiel auch das gemeinsame Zusammenleben auf einem Segelschiff in diesem schönen Teil der Welt. Kurz entschlossen brach Doris in Deutschland alle Zelte ab, kündigte ihren Job nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit, vermietete ihre Wohnung und verkaufte ihren geliebten Golf. Am 31.12.2006 stieg sie früh morgens in Auckland müde aus dem Flieger und für uns begann ein neuer Lebensabschnitt. Silvesterfeuerwerk über Auckland, Fahrt nach Whangarei und anstrengende Suche nach einem geeigneten Schiff für uns beide waren die ersten Etappen. Und wir wurden bald fündig. Wir sahen in der Town Basin Marina in Whangarei das Schild „FOR SALE“ an der Kiwi Kiwi von Sylvia und Ralf, die wir bereits von Fiji her kannten. Schon bei der ersten Besichtigung verliebten wir uns in das wohnliche Innere der Kiwi Kiwi, und die finanziellen Vorstellungen von Sylvia und Ralf passten gerade noch in unser Budget. An einen Katamaran war mit dem uns zur Verfügung stehenden Geld leider nicht zu denken. Der Deal war schnell perfekt und für beide Seiten ideal. Sylvia und Ralf konnten ihr neues Leben in Deutschland planen nach fast 15 Jahren und einer Weltumseglung auf der Kiwi Kiwi, und wir hatten ein schönes, gut ausgerüstetes und erprobtes Schiff für uns gefunden und damit unser neues Zuhause. Um Sylvia und Ralf genügend Zeit zu geben, sich von ihrem Schiff zu trennen und die erforderlichen Schritte für die Rückkehr nach Deutschland einzuleiten, beschlossen Doris und ich für vier Wochen zum Sightseeing auf die Südinsel zu fahren. Im vorigen Jahr hatte unsere gemeinsame Zeit nur für die Nordinsel gereicht. Wir bauten aus unserem Toyota Estima die hinteren beiden Sitzreihen aus, kauften eine große Luftmatratze und Schlafsäcke, Campingtisch und Stühle, borgten uns einen Kocher und nähten Vorhänge für die Fenster. Dann ging es in einem Ritt nach Wellington zum Fährterminal, wir erhielten sofort eine Passage und schon 3 Stunden später verließen wir in Picton auf der Südinsel die Fähre. Jeder weiß, der je die Südinsel bereist hat, dass man darüber endlos schreiben könnte, um alle Eindrücke wiederzugeben. Wir fuhren die Ostküste entlang bis zum südlichsten Punkt von Neuseeland, schwammen mit Delfinen, sahen Albatrosse, Seelöwen, Robben und Pinguine, waren mit dem Kajak im Milford-Sound und mit dem Cruisingschiff im Doubtful-Sound und fuhren danach über Queenstown an die Westküste zu den Gletschern. Dann ging es gen Norden in den Abel Tasman Nationalpark und über Nelson zurück zur Fähre nach Picton. Wir verbrachten insgesamt 4 Wochen auf der Südinsel und hatten danach 6.000 Km mit unserem braven Auto zurückgelegt, welches in dieser Zeit unser Heim war. Der Dieselmotor war sehr sparsam und lief wie eine Biene, wir saßen in dem Auto sehr bequem und unser Vierradantrieb kam einige Male zum Einsatz. Zurück in Whangarei kamen uns die noch verbleibenden Tage bis zum Einzug in unser neues Heim sehr lange vor. Doch dann war es endlich soweit.
10.03.07: Die Übernahme der Kiwi Kiwi
Der Flieger von Sylvia und Ralf startete gegen Mittag in Whangarei. Wir brachten die Beiden zum Flugplatz und enterten danach erstmals unser neues Schiff. Nachdem wir alle unsere Sachen auf das Schiff gebracht hatten, waren wir erstaunt, wie viel Zeug sich bereits wieder angesammelt hatte, waren wir doch jeder für sich mit nur je 2 Koffern losgezogen. Ich hatte die gesamte Bordbibliothek von Franziska und Kurti, meinen Vorgängern auf der NEVERLAND, übernommen und mich hier in der Südsee komplett neu eingekleidet. Außerdem hatten wir in den letzten Tagen schon einige Anschaffungen gemacht. Nun hieß es das Schiff kennen zu lernen und den richtigen Platz zu finden für all die Sachen, die uns überall im Wege standen. Sind Schiffe meist innen größer als von außen zu sehen, hat man doch etwas weniger Platz als in einem Einfamilienhaus. Noch am Abend hatten wir zumindest die Vorschiffskoje soweit, um die Betten beziehen zu können. Und unsere erste Nacht auf der Kiwi Kiwi haben wir dann total verschlafen. Die nächsten Tage waren überhäuft mit Arbeit. Der Cockpittisch mußte verändert werden, um im Cockpit bequem sitzen zu können. Ein Wasserfilter wurde beschafft und eingebaut, um das Tankwasser trinkbar zu machen. Der Salontisch wurde ausgebaut und durch einen neuen, kleineren ersetzt, um in der Sitzecke bequem sitzen und sich auf dem Sofa lümmeln zu können. Einige Wackelkontakte in der Elektrik mußten beseitigt werden und die Leselampen der Kojen wurden repariert. Nebenbei wurde jede freie Minute genutzt, um die Supermärkte nach Schnäppchen abzusuchen und das Schiff für die Segelsaison auf den Südseeinseln zu bebunkern. Nach einigen Tagen war auch die Achterkoje leer geräumt und einsatzbereit, in die wir dann umzogen. Außerdem kauften wir eine stabile Nähmaschine, und Doris nähte zuerst neue Kissenbezüge zum Eingewöhnen und danach die neuen Polster mit Reißverschlüssen für das Cockpit. Mit jeder Naht wurde sie perfekter. Nach 10 Tagen verließen wir die Town Basin Marina und liegen seitdem im Whangarei River gegenüber der Werft, in der die NEVERLAND an Land steht, vor Anker. Dort hatten wir einige Tage auf dem Katamaran gewohnt, und dort hatte ich meinen letzten Job für Ferdinand zu erledigen. Ich hatte im Dezember beide Motoren und Saildrives ausgebaut und versprochen, diese nach der Regenerierung wieder einzubauen. Eigentlich wollte ich damit schon lange fertig sein, aber einige Ersatzteile wurden verspätet geliefert, so dass der Einbau genau in die Zeit fiel, in der wir bereits in der Bay of Islands segeln wollten. Aber seit gestern ist auch das geschafft. Doch nun hält uns ein unangenehmer Ost bis Nordost und strömender Regen hier noch einige Tage fest. Unser Auto ist bereits unter der NEVERLAND geparkt und wird dort bis zu unserer Rückkehr im November bzw. Dezember trocken und sicher auf uns warten. Auch wir liegen hier sehr sicher und bequem im Fluß, stecken aber bei jedem Niedrigwasser einige Zentimeter mit dem Kiel im weichen Flußschlamm. Sobald das Wetter es zulässt, verholen wir bei Hochwasser in die letzte Bay am Unterlauf des Flusses und entscheiden am nächsten Tag anhand der dann vorherrschenden Windrichtung, ob unser erster Törn nach Norden in die Bay of Islands führt oder nach Süden in den Hauraki-Golf von Auckland. Dabei wollen wir das Schiff kennen lernen und Doris will sich ihre ersten Seebeine verdienen, ist doch ihre Segelerfahrung auf die Törns mit der NEVERLAND innerhalb der geschützten Segelreviere in den Lagunen von Fiji begrenzt.
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