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Berichte:



3. Bericht von Bord der Kiwi Kiwi

Überfahrt von Neuseeland nach Tonga aus Doris Sicht

Malo e lelei (hallo auf tonganisch)

Nach 18 Tagen, 1178 Seemeilen und vielen schlaflosen Nächten sind wir in der Hauptstadt von Tonga in Nuko’alofa auf der größten Insel Tongatapu angekommen.
Wir hatten uns für die Überfahrt ein ruhiges Wetterfenster ausgeguckt, damit meine erste längere Seereise auf einem Segelboot ruhig verlaufen sollte.
Leider war das nicht der Fall, und ich war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Eigentlich fing alles ganz harmlos an, als wir am 3. Mai von Opua aus Neuseeland verließen. Wir hatten in den ersten drei Tagen sehr wenig Wind, zuerst aus Nordwest, dann über Südwest auf Südost drehend. Also alles im grünen Bereich. Der Wind hielt sich genau an die sorgfältig vor Abfahrt eingeholte Wettervorhersage für unseren Törn. Es war schönes Segeln, und keiner von uns Beiden hatte irgendwelche Anzeichen von Seekrankheit, obwohl das Schiff bei achterlichem Wind doch etwas schaukelte. Aber bereits am dritten Tag morgens um 9.00 Uhr hörten wir über Winfrieds Wetter- bzw. Cruisernetz mit unserer Kurzwellenfunkanlage auf 10.090 KHz, dass der Wind in den nächsten Tagen zunehmen sollte. Winfried betreibt dieses Funknetz auf Kurzwelle schon über mehrere Jahre und leistet damit einen sehr wichtigen Beitrag für die sicheren Überfahrten von uns Seglern hier in der Region im Südpazifik. Er begleitet die Yachten per Funk, notiert sich die jeweiligen aktuellen Positionen, leistet Hilfestellung bei Problemen und hält notfalls Kontakt zu den Angehörigen an Land. An diesem Tag informierte Winfried alle Segler über sich evtl. einstellende starke Luftdruckgegensätze, die besonders auf unserem Kurs zu einer „Isobarenverdichtung“ führen sollten. Und das bedeutet meist sehr, sehr viel Wind. Alles war noch Hypothese aus mehreren Computermodellen. Noch ging uns das alles nichts an, und wir segelten fröhlich weiter. Aber schon nach wenigen Stunden fing der Wind an, stärker zu werden und entwickelte sich bald darauf zu einem ausgewachsenen Sturm mit über 40 kn Wind mit Böen über 45 Kn. Das ganze dauerte drei Tage, und ich wäre am liebsten direkt über Bord gesprungen, damit es endlich zu Ende ist. Über sieben Meter hohe Wellen türmten sich auf, die sich zum Glück nicht brachen, sondern uns hochhoben. Bis auf eben immer die eine, die mit voller Wucht und einem Riesenknall dein Boot auf die Seite drückt, dass du denkst , es kippt um. Und das Ganze Tage und Nächte lang ohne Ende. Es ist kein normales Leben mehr möglich, an Schlaf ist nicht zu denken. Ich hatte Angst! Ich saß zeitweise mit meiner Schwimmweste angelegt auf unserer Überlebenstonne. Selbst als der Sturm auf 30 –35 Kn nachließ, war es keine Spur von ruhiger, und die See war immer noch aufgewühlt. Hinzu kam, dass Alwin bei dem Seegang öfter hinaus musste auf´s Vorschiff, weil etwas kaputt gegangen war oder sich gelöst hatte, und das manchmal nachts. Er kam jedes Mal total mit Seewasser geduscht wieder zurück ins Cockpit. Das war so furchtbar! Ich bin tausend Tode gestorben und hatte immer Angst, dass er über Bord gespült wird, obwohl er immer angeleint war.
Am 11. Tag haben wir dann das Minervariff erreicht. Dort konnten wir uns auszuruhen und unsere Wunden lecken. Uns taten alle Knochen weh, und wir haben unsere blauen Flecken gezählt. Die Position des nördlichen Minervariffes liegt bei 178° 58`West und 23° 37`Süd, damit ihr mal nachsehen könnt, wo wir mitten im Pazifik geankert haben. Das Erstaunliche ist, dass man innerhalb des Riffes auf 10 m Wassertiefe ankert und das Wasser rings umher ganz ruhig, harmlos und wunderschön türkisblau ist, und außerhalb des Riffes auf 3000 m abfällt und wieder dunkel und unheimlich wird. Und draußen tobt laut die Brandung, wenn die meterhohen Wellen auf das Riff knallen. Man ist über 250 Seemeilen vom nächsten Land entfernt, und nur bei Niedrigwasser sieht man Riff, wenn es einige Zentimeter trocken fällt.
Erst nach fünf Tagen war der Wind wieder so, das wir weitersegeln konnten Richtung Tonga. Es war zwar wieder kein Spaziergang, aber okay. Nur noch 20 – 25 Kn Wind , aber mit ekliger Welle. Ich war einfach inzwischen wahnsinnig sensibilisiert, und jeder Windhauch hörte sich für mich schrecklich an. Hoffentlich gibt sich das wieder.
Alwin gibt ja zu auch, noch keinen solchen starken Wind über solch eine lange Zeit erlebt zu haben, und dass es echt besch… war. Er sagt mir aber auch, dass es zu keiner Zeit lebensbedrohend gewesen sei. Nun denn, für mich fühlte sich das anders an, aber immerhin weiß ich jetzt, was unser Schiff aushält. Schön war, dass keiner von uns Beiden zu irgendeinem Zeitpunkt seekrank war. Wir hatten immer guten Appetit und haben ausreichend gegessen. Kurze Zeit später, nachdem wir aus der Riffpassage des Minervariffes herausgesegelt waren, versöhnte sich die See mit uns, in dem sie uns den ersten Yellowfin-Tuna dieser Saison an die Schleppleine schickte. Er hatte mit ca. 4 Kg genau die richtige Größe, und Alwin machte sich sofort ans Werk, den Fisch zu verarbeiten. Endlich wieder frischer Proviant für einige Tage, und das noch kostenlos.


E I N D R Ü C K E   V O N   T O N G A T A P U 

Am 21. Mai haben wir dann hier in Tonga den Anker geschmissen. Wir haben uns sehr schnell akklimatisiert und normalisiert. Der so genannte „Verdrängungs-Alzheimer“ der Segler, wie Alwin immer sagt, begann tatsächlich einzusetzen. Ohne den soll wohl Segeln auf die Dauer überhaupt nicht möglich sein. Na ja, mal abwarten. Die Beschädigungen an Bord haben sich zum größten Teil als schnell reparabel erwiesen oder waren nicht wirklich in Dutt, sondern nur einfach abgegangen durch die tagelange Schaukelei.
Wir haben eine Wäscherei ausfindig gemacht und erstmal einen Teil unserer Wäsche dort hingebracht. Alwin hat ja anderswo schon die Erfahrung gemacht, dass man nicht immer alles wiederbekommt. Warten wir es ab.
Bereits am zweiten Tag sind wir mit dem Fahrrad einen Teil der Insel abgeradelt. Wir waren bei den „Blow Holes“ und den „Flying Foxes“.
Die Blow Holes (auf Deutsch: Blaslöcher) erstrecken sich über einen langen Küstenstreifen und sind wirklich faszinierend anzusehen. Da prescht das Wasser in die Löcher des porösen Tuffsteins an den Inselkante und peitscht aus den Löchern senkrecht in Fontänen in die Höhe. Das sieht schon Klasse aus und es wird einem nicht langweilig, sich das anzusehen.
Die Flying Foxes sind Flughunde, keine Fledermäuse. Die hängen zu Tausenden in den Bäumen kopfüber herum und machen einen Höllenkrach. Außerdem riechen sie nicht gerade gut, was sehr vorsichtig ausgedrückt ist.
Auf unserem Weg mit dem Fahrrad sind wir durch viele kleine Dörfer gekommen. Dort ist alles ganz anders, als in der Hauptstadt Nuko’alofa. Auffällig sind die vielen Kirchen und Schulen. Und, was einem auf keinem Fall entgeht, ist überall ein ewiges Klopfen auf Holz. Das sind die Frauen des Dorfes, die aus der Baumrinde des Maulbeerbaumes die Tapas klopfen um sie hinterher schön und kunstvoll zu bemalen. Diese werden dann als Matten im Haushalt benutzt und sind heutzutage ein beliebtes Souvenir für die Touristen. Man kann sie überall in Tonga relativ preiswert kaufen.
In einem Dorf haben wir angehalten und zwei Frauen gefragt, ob wir bei der Herstellung zusehen dürfen. Wir hatten ein nettes Gespräch. Sie erklärten uns die Arbeitsschritte und zeigten uns verschiedene Tapas. Dann wurden wir von einer der Frauen in ihr Haus gebeten, und sie zeigte uns stolz ihr Reich und ihre Einrichtung. Zwei kleine Kinder turnten ständig zwischen uns herum.
Es war ein sehr schöner Tag, und vor allem tat uns nach dem langen Seetörn die Bewegung gut.
Den Tag darauf waren wir gemeinsam mit der Crew von der „Timpe Te“ (3 Erwachsene und 2 Kinder im Alter von 2 und 4 Jahren), die ein Tag nach uns in Tonga eintraf, mit dem Auto auf der Insel unterwegs. Diesmal standen die alten Königsgräber auf dem Programm, ein sagenumwobener Trilithon, nochmals die Blow Holes und ein Strandbesuch. Sie hatten noch niemals einen Südseestrand gesehen und waren überglücklich und ausgelassen. Als dann auch noch eine Kokosnuss gefunden und von unserem Fahrer für uns geöffnet wurde, war der Tag perfekt.
Das Mittagessen während der Tour bestand aus einem Tongan BBQ für umgerechnet € 1,60 pro Person. Dafür gab es eine ausreichende Portion gekochte Kasava, gegrillte Lammkoteletts, Hühnerflügel- und Schenkel und eine kleine Wurst. Alles echt auf Tongan Art zubereitet und lecker.
Die ganze Vegetation hier auf den Inseln ist sehr üppig, überall wächst z. B. meterhohes Buntblatt. Alles ist riesig und so was von grün. Es ist hier sehr warm, und es regnet häufig. Da muß man sich nicht wundern! Die Tonganer sind erst auf den zweiten Blick sehr freundlich. Sie gehen nicht so schnell auf einen zu, wie die Fijianer. Es gibt unglaublich viele Kinder, und die sind immer aus dem Häuschen, wenn sie uns sehen. Dann müssen wir Fotos von ihnen machen, und danach wollen sie sich auf den Bildern sehen. Das ist ja jetzt so praktisch mit den Digitalkameras und immer ein Heidenspaß. Und hübsch anzusehen sind sie. Sie haben ganz dunkle Augen, schwarze, dicke Haare, welche die Mädchen immer in langen, geflochtenen Zöpfen tragen. Man trifft sie wochentags meist in Schuluniform.
Wir werden in den nächsten Tagen von hier aus aufbrechen, so langsam gen Norden segeln, dabei Insel für Insel abklappern und schöne, abgelegene Ankerplätze genießen. Das heißt aber auch, dass wir vorher noch frische Lebensmittel bunkern müssen.
Den nächsten Einkauf und auch den nächsten Internetzugang werden wir erst oben im Norden, in Neiafu, genießen können.
Bis dahin erwarten uns sicherlich schöne Erlebnisse und Begegnungen mit den Einheimischen auf den abgelegenen Inseln der Ha’apaigruppe.
Übrigens, wir haben die Wäsche komplett wiederbekommen.


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